Presse‎ > ‎

Die Rheinpfalz

Flöte und Fagott
"Duo Incantare" musiziert für Katharinenkapelle

Im zweiten Benefizkonzert für die Renovierung der Landauer Katharinenkapelle in diesem Jahr brachten Michael Kaulartz und Jens Bohms als „Duo Incantare“ Flöte und Fagott facettenreich zur Geltung. Obwohl es mit 1,35 Metern Länge nahezu alle anderen Instrumente überragt, fristet das Mitte des 17. Jahrhunderts erfundene Fagott in der Regel ein Schattendasein im Orchesterreigen. Solistisch kennen es nur wenige Laien unter den Musikhörern. Hätte Sergej Prokofjew nicht dem brummig
liebenswerten Großvater im Musikbilderbuch „Peter und der Wolf“ die Stimme des Fagotts verliehen, hätten viele keine Vorstellung von seinem sonoren weichen Klangbild. Unter dem Motto „Klassisch und Romantisch in den Frühling“ waren am Sonntag Werke von Beethoven (Duo 1, WoO37), Mozart (Duo Sonate KV 292), das Duo Concertante in F seines böhmischem Freundes Joseph Fiala, das Duo Op.17 Nr. 1 des Franzosen Michel Gebauer und das Duo Op.12 Nr. 1 des Österreichers Leonhard von Call zu hören. Spielfreudig und technisch versiert ließ Jens Bohms die Flötentöne erklingen. Einmal fröhlich wie Perlen, einer nach dem anderen springend, dann gefühlvoll weich gleitend. Das tiefe Fagott mit seiner dunkelweichen geheimnisvollen Klangfarbe bot nicht selten eine solide Basis für die Eskapaden der Flöte. Darüber hinaus kam es auch in lyrischen Passagen als Melodieinstrument zur Geltung. Wenn man bedenkt, dass allein die Daumen für bis zu neun Klappen zuständig sind, weiß man um die Fingerfertigkeit, die ein Fagottspieler braucht. Im Hören der zum Teil rasend schnellen Tonfolgen kam Bewunderung auf für den jungen Spieler, der sein Instrument meisterlich beherrscht und dabei noch Freude ausstrahlt. In beständiger Kommunikation kredenzten die Musiker ein munteres Spiel, indes verrieten glänzende Schweißperlen auf der Stirn die körperliche Anstrengung hinter der vermeintlichen spielerischen Leichtigkeit.
Michael Kaulartz und Jens Bohms, die am Sonntag als „Duo Incantare“ in der Katharinenkapelle konzertierten, sind trotz ihres jugendlichen Alters von 20 und 25 Jahren längst keine unbeschriebenen Blätter in der Kammermusikszene der Region mehr. Eigentlich bilden sie zwei Fünftel des Holzbläser-Quintetts „Ad Libidum“, das immer wieder in unterschiedlichen Formationen erscheint, auch als Trio oder Quartett. Jens Bohms tauchte als Schüler von Rita Kottner von Kindesbeinen an immer wieder als Preisträger bei „Jugend musiziert“-Wettbewerben auf. Sechs Jahre lang spielte er im Jugendsinfonieorchester Rheinland-Pfalz und besuchte Meisterkurse, unter anderem bei Moshe Aron Epstein in Israel. Seit 2006 studiert Bohms an der Musikhochschule Frankfurt/Main bei Sebastian Wittiber. Michael Kaulartz fiel als Zögling der Kreismusikschule Südliche Weinstraße mit seinem Fagott früh im Schulorchester des Otto- Hahn Gymnasiums auf und war vor seinem Abitur 2008 Jungstudent von Ulrich Freund an der Musikhochschule Mannheim, wo er heute studiert. Bereits als Schüler bereicherte er viele Jugendensembles, auch das Bundesjugendorchester. (srs)
Comments